Warum lernt man die
meisten Dinge erst nach Offenbarung ihrer Vergänglichkeit zu schätzen? Warum ist der Moment nie so viel wert wie er
wert sein wird? Der Mensch als unempfängliches Wesen für die Magie im
gegenwärtigen Moment? Liegt es etwa
daran, dass es ohnenin zum menschlichen Dasein dazugehört, stets etwas mehr von
dem Negativen auszublenden und das Positive aufzuwerten, beim Revue passieren
lassen des jeweiligen Moments? Hat sich nicht schon jeder mindestens einige
dutzend Male vorgenommen:
Ab heute lebe ich so, als würde der heutige mein
letzter Tag sein.
Der Wahn ist kurz, die
Reue lang. Vielleicht ist der Wahn
die Reue wert?
Doch sollte man der
Reue ohnehin nicht allzu viel Macht zusprechen. Es gibt nichts zu bereuen. Das
Leben ist zu kurz für die meisten unserer selbstsuggestiven Gedanken..
Wie lange halten diese Vorhaben wohl in der
Regel an? Ich spreche etwa nicht über eine vollkommen neue Lebensphilosophie,
nach einem wirklich einschneidenden Ereignis. Ich spreche von den ganz normalen Vorsätzen, denen wir Menschen
uns ab und an gerne hingeben. Vorhaben um
ein neues Level der Lebensqualität zu erreichen.(Ja, Level.)
Allen voran aber
dennoch, damit schließlich zurück zum eigentlichen Thema, das Vorhaben
(vielmehr noch die Kunst) den Moment im hier
und jetzt mehr wertschätzen zu lernen.
Aber ist das denn wirklich so leicht
umzusetzen oder bedarf es einiges an Theorie sowie praktischer Übung und
Durchhaltevermögen. Immer wieder von vorne
anzufangen, sollte die Wertschätzung im gegenwärtigen Moment wieder einmal
zu kurz gekommen sein. Sollte man dem heutigen
Tag nicht zumindest die Chance gegeben haben der Schönste zu werden.
Ich für meinen Teil bin der Auffassung, dass
es nicht etwa an unser Bemühung scheitert, sondern an der Schwierigkeit, einen
Moment dessen Kraft vergänglich ist und er daher von so großer Bedeutung ist,
noch währrend seines Geschehen zu enthüllen. Oftmals erwische ich mich selbst
bei dem Gedanken die meisten gegenwärtigen Dinge nur der Zukunft zur Liebe zu
tun.
Der Mensch hat
nämlich nicht nur die Neigung zur Nostalgie sondern auch die Angewohnheit immer
das zu begehren, was er gerade nicht besitzen kann. Oder wie in diesem Fall
erneut erleben und fühlen kann. Gesteht man sich diese Tatsache ein, wirft dies
die Frage auf, ob die Magie im gegenwärtigen
Moment liegt oder im wehmütigen zurückrufen des einst angeblich so perfekten Moments.
Kurze Rede, langer Sinn:
Die Gewohnheit, in die Zukunft zu blicken mit
dem Gedanken, dass die Bedeutung der
Gegenwart einzig in dem beschlossen liegt, was sie hervorbringen wird, ist
durchaus von Übel. – Bertrand Russell

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