Dienstag, 5. Januar 2016

Von der Wertschätzung des gegenwärtigen Moments (2016)

Warum lernt man die meisten Dinge erst nach Offenbarung ihrer Vergänglichkeit zu schätzen?  Warum ist der Moment nie so viel wert wie er wert sein wird? Der Mensch als unempfängliches Wesen für die Magie im gegenwärtigen Moment?  Liegt es etwa daran, dass es ohnenin zum menschlichen Dasein dazugehört, stets etwas mehr von dem Negativen auszublenden und das Positive aufzuwerten, beim Revue passieren lassen des jeweiligen Moments? Hat sich nicht schon jeder mindestens einige dutzend Male vorgenommen: 
Ab heute lebe ich so, als würde der heutige mein letzter Tag sein. 
Der Wahn ist kurz, die Reue lang. Vielleicht ist der Wahn die Reue wert?  
Doch sollte man der Reue ohnehin nicht allzu viel Macht zusprechen. Es gibt nichts zu bereuen. Das Leben ist zu kurz für die meisten unserer selbstsuggestiven Gedanken..
 Wie lange halten diese Vorhaben wohl in der Regel an? Ich spreche etwa nicht über eine vollkommen neue Lebensphilosophie, nach einem wirklich einschneidenden Ereignis. Ich spreche von den ganz normalen Vorsätzen, denen wir Menschen uns ab und an gerne hingeben. Vorhaben um ein neues Level der Lebensqualität zu erreichen.(Ja, Level.)
Allen voran aber dennoch, damit schließlich zurück zum eigentlichen Thema, das Vorhaben (vielmehr noch die Kunst) den Moment im hier und jetzt mehr wertschätzen zu lernen. 
Aber ist das denn wirklich so leicht umzusetzen oder bedarf es einiges an Theorie sowie praktischer Übung und Durchhaltevermögen. Immer wieder von vorne anzufangen, sollte die Wertschätzung im gegenwärtigen Moment wieder einmal zu kurz gekommen sein. Sollte man dem heutigen Tag nicht zumindest die Chance gegeben haben der Schönste zu werden.
 Ich für meinen Teil bin der Auffassung, dass es nicht etwa an unser Bemühung scheitert, sondern an der Schwierigkeit, einen Moment dessen Kraft vergänglich ist und er daher von so großer Bedeutung ist, noch währrend seines Geschehen zu enthüllen. Oftmals erwische ich mich selbst bei dem Gedanken die meisten gegenwärtigen Dinge nur der Zukunft zur Liebe zu tun.
 Der Mensch hat nämlich nicht nur die Neigung zur Nostalgie sondern auch die Angewohnheit immer das zu begehren, was er gerade nicht besitzen kann. Oder wie in diesem Fall erneut erleben und fühlen kann. Gesteht man sich diese Tatsache ein, wirft dies die Frage auf, ob die Magie im gegenwärtigen Moment liegt oder im wehmütigen zurückrufen des einst angeblich so perfekten Moments.

Kurze Rede, langer Sinn:


Die Gewohnheit, in die Zukunft zu blicken mit dem  Gedanken, dass die Bedeutung der Gegenwart einzig in dem beschlossen liegt, was sie hervorbringen wird, ist durchaus von Übel. – Bertrand Russell



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